
Die 1099.02 der Mariazeller Bahn
Die Elektrolokomotive 1099.02 der Mariazellerbahn
Die 1099.02 ist ein besonders schönes Exemplar ihrer Reihe: mit Messingziffern, dem alten ÖBB Flügelrad, dem grau abgesetzten Rahmen und dem Wappen der Gemeinde Gösing hebt sie sich von ihren Schwesterloks deutlich ab. 15 Lokomotiven der Reihe 1099, der ältesten E-Lok Baureihe der Welt, sind noch erhalten und täglich im Einsatz. Grund genug sich einmal näher mit der Mariazeller Bahn zu beschäftigen:
1896 war der Spatenstich für die Niederösterreichisch-Steirische Alpenbahn, wie die heute als Mariazellerbahn bekannte Schmalspurbahn ursprünglich hieß. Die Spurweite von 760 mm entspricht den Bahnen in Bosnien, das damals ein Teil Österreich-Ungarns war, um eine Austauschbarkeit des Rollmaterials im Kriegsfalle zu gewährleisten. Dies wurde im 1. Weltkrieg tatsächlich in die Praxis umgesetzt. Die 85 km lange Strecke wird in eine Talstrecke von St. Pölten entlang des Pielachtals und in eine Bergstrecke ab dem Bahnhof Laubenbachmühle unterteilt.
1907 wurde die ursprünglich mit Dampf betriebene Strecke St. Pölten-Mariazell dem Verkehr übergeben und war eine wichtige Bahnverbindung sowohl für den Güter- als auch den Personentransport, galt doch die Mariazellergegend mit der weltberühmten Basilika als eine der meistbesuchten Touristenorte der K. & K. Monarchie. Auch war die Bergbahn lange Zeit die effizienteste Möglichkeit, landwirtschaftliche Produkte und Bodenschätze wie Holz und Erze aus den vereinzelten Stollen ins Tal zu befördern. Die geplante Verlängerung der Strecke über den Seeberg ins steirische Mürztal erfolgte auf Grund des Ausbruchs des 1. Weltkrieges nicht, lediglich die "Krumpe", ein nichtelektrifizierter Ast von Ober-Grafendorf quer durchs Alpenvorland nach Gresten wurde gebaut. Bis zur Elektrifizierung der Stammstrecke, die bereits zwischen den Jahren 1907 und 1911 erfolgte, waren Dampflokomotiven der Reihen Mh und Mv im Einsatz, und danach wurden zusätzlich Elektrolokomotiven der Reihe E in Dienst gestellt, die heute noch mit einem ab 1960 erneuerten Lokkasten als Reihe 1099 im Plandienst unterwegs sind. Von 1909 bis zum Ende des Güterverkehrs 1998 wurden neben herkömmlichen Güterwagen auch Normalspurwagen auf Rollenwagen verladen, sofern es das Lichtraumprofil zuließ, was für viele einen ungewöhnlichen Anblick bot. Die Personenwagen wurden im Zuge eines Umbauprogramms in den 1960er Jahren erneuert und durch Einschweißen von Zwischenstücken verlängert und mit einheitlichen Wagenkästen versehen. 1962 endete der planmäßige Dampfbetrieb durch die Indienststellung der Diesellokbaureihe 2065, die letzte Neuanschaffung waren 1994 die modernen Elektrotriebwagen der Reihe 4090. Wie viele Nebenbahnen ist es auch für die Mariazellerbahn schwierig in der heutigen Zeit wirtschaftlich zu arbeiten, mehrmals drohte der traditionsreichen Strecke schon das Aus, gegenwärtig überlegt allerdings das Land Niederösterreich, die historische Bahn zu übernehmen. Neben den alle zwei Jahre stattfindenden Schmalspurfesten, Dampfloksonderfahrten und Marketingaktionen wie dem "Ötscherbär", einer besonders lackierten Garnitur, versucht ein ausgewogener Fahrplan die Strecke zu beleben. Vorerst scheint der Fortbestand der einst von Fahrgästen überrannten Mariazellerbahn gesichert, und häufig treffen sich in St. Pölten die modernsten Lokomotiven der Taurusfamilie am gleichen Bahnsteig mit einer Serie 1099, der ältesten betriebsfähigen Elektrolokomotive der Welt - noch tagtäglich im Einsatz auf der Strecke, für die sie einst auch gebaut wurde.
Eine genauere Produktbeschreibung unserer Modelle finden Sie in der Kategorie "Produkte": Artikel 31022, 33220, 33221








